Studierendenproteste in Peru – ihr habt unsere Solidarität!

In Baden-Württemberg werden seit letztem Jahr keine Studiengebühren mehr erhoben, auch in Bayern wurde nun vor kurzem deren Abschaffung per Volksentscheid beschlossen. Niedersachsen bleibt das letzte Bundesland, in dem für das Erststudium Gebühren anfallen (500€ pro Semester). Zu verdanken ist das zu einem großen Teil der starken Protestbewegung von StudentInnen in den vergangenen Jahrzehnten. Auch hindert nun keine Wehrpflicht mehr daran, direkt mit dem Studium zu beginnen – der deutschen Außenpolitik sei hier gedankt, die eine professionalisierte und schlagkräftige Armee für die Durchsetzung ihrer Interessen benötigt.

Doch richten wir unseren Blick doch einmal in die weite Welt – z.B. nach Lateinamerika. Im Einvernehmen mit den großen Unternehmensgruppen des Landes hat die Regierung Perus nämlich ein neues Gesetz verabschiedet, das den verpflichtenden Militärdienst einführen und öffentliche Universitäten privatisieren soll.

Was das für die Studierenden bedeutet ist leicht absehbar: Das ohnehin schon durch viele private Schulen und Universitäten beeinträchtigte Bildungssystem soll nun vollständig in den freien Markt integriert werden. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung wird zur Sache des Geldbeutels. Wer nicht zahlen kann, bleibt auf der Strecke oder muss sich auf Jahrzehnte verschulden. Somit werden Klassenunterschiede gefestigt und den unterprivilegierten Bevölkerungsschichten wird eine höhere Bildung sowie das Erreichen eine Universitätsabschlusses verwehrt.

Dementsprechend hat sich in Peru eine breite Protestbewegung von StudentInnen gebildet, die sich dem neuen Gesetz mit Besetzungen der Universitäten und Demonstrationen widersetzt. So auch in Cajamarca, wo wir uns auf einer Peru-Reise zur Zeit der Proteste befanden. Bereits in Kontakt mit den GenossInnen vor Ort konnten wir uns der Bewegung direkt anschließen und nahmen an einer Demonstration am Donnerstag, den 13. Juni, teil.

Die Route führt von der großen öffentlichen Universität (Universidad Nacional) an anderen Universitäten und Oberschulen vorbei, wo sich immer mehr Menschen der Demonstration anschließen. Die Zahl der TeilnehmerInnen wächst, die Stimmung wird kämpferischer und Sprechchöre erschallen im historischen kolonialen Zentrum der Stadt. Sie richten sich gegen das neue Gesetz und die korrupte Nationalregierung, die nur mit Unterstützung der linken Parteien und progressiven Wahlversprechen an die Macht gekommen ist.

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Während dem Verlauf der Demonstration werden die aufmerksamen PassantInnen mit Flugblättern informiert. Erst nach Erreichen einer zweiten Universität direkt gegenüber der Polizeikaserne, bei dem kurzerhand weitere StudentInnen aus den Hörsälen mobilisiert werden, positionieren sich etwa 20 schwerbewaffnete Polizisten an den Flanken des Demozuges. Die Kampanzüge, Schilde, Revolver, Maschinengewehre und Granatwerfer scheinen völlig unangebracht gegenüber dem zwar kämpferischen, aber gewaltfreien Charakter der Demonstration. „Wir lassen uns nicht einschüchtern – wir sind Studierende, keine VerbrecherInnen!“ skandiert die Menge.

Allerdings gibt es keinerlei Auseinandersetzungen und so bleibt der Auftritt der Staatsmacht reine Provokation und allenfalls Abschreckung gegenüber den interessierten BürgerInnen.
Bei der Abschlusskundgebung wird von mehreren RednerInnen erneut betont, welche Ausmaße das neue Gesetz auf Bildung und Gesellschaft hat und wie wichtig daher ein entschlossenes und konsequentes Auftreten der Studierendenbewegung ist.

Am Abend wird mit einer symbolischen Mahnwache auf dem Hauptplatz der Stadt dem sterbenden Bildungssystem gedacht. Am offenen Megaphon wird die Öffentlichkeit über die Vorgänge informiert. Auch wir erhalten die Möglichkeit einen Beitrag zu leisten und unsere Unterstützung auszusprechen.

Proteste gegen das neue Gesetz gab es in allen größeren Städten des Landes, teilweise unter schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie z.B. in Cusco.

Als Linksjugend [’solid] wissen wir, wie wichtig es ist im internationalen Kontext die Augen offen zu halten und sich nicht mit den deutschen Verhältnissen zufrieden zu geben. Wir wünschen den Studierenden in Cajamarca und Peru weiterhin viel Erfolg bei ihren Protesten gegen die Vermarktwirtschaftlichung ihrer Bildung und schließen uns ihren Forderungen an:

Kein Zwang zur militärischen Ausbildung – wir lernen nicht zu Töten!

Freie und kostenlose Bildung für alle, unabhängig von den Interessen nationaler und transnationaler Konzerne!

Dies ist ein Beitrag unseres Genossen Fabian, der sich momentan in Ecuador befindet.

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